Finanzielle Voraussetzungen

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In vielen Fällen steht und fällt ein Gründungsvorhaben mit der Gründungsfinanzierung. In Ihrem Finanzierungskonzept sollten Sie für eine passgenaue Finanzierung sorgen. Dazu gehören - wenn möglich - finanzielle Förderhilfen. Der Bund sowie das ERP-Sondervermögen, die Länder und die EU unterstützen den Start in die unternehmerische Selbstständigkeit durch Förderprogramme. Dabei handelt es sich meistens um Darlehen, aber auch um nicht-rückzahlbare Zuschüsse. Typisch für öffentliche Förderdarlehen sind u.a. günstige Zinsen, lange Laufzeiten und häufig eine rückzahlungsfreie Zeit, bis Sie mit der Tilgung beginnen müssen.

Das unternehmerische Risiko, das Sie als Selbstständige tragen, kann dabei niemand versichern. Sie können aber vorsorgen: gegen Schäden, die die Arbeit in Ihrem Unternehmen beeinträchtigen würden. Genauso wichtig sind Ihre persönliche Absicherung gegen Krankheit und Ihre Altersvorsorge.

Kauf / Finanzierung

Um ein Unternehmen zu übernehmen, benötigen Sie meist mehr Startkapital als bei einer Neugründung, da Sie in aller Regel den Kaufpreis finanzieren müssen. Stellen Sie daher fest:

  • Wie hoch ist der Unternehmenspreis?
  • Wie viel wollen bzw. können Sie in eine Unternehmensübernahme investieren?
  • Wie viel Eigenkapital steht Ihnen zur Verfügung?

Informieren Sie sich über öffentliche Förderprogramme des Landes Brandenburg sowie der KfW Bankengruppe. Förderprogramme können sowohl für Neugründungen als auch für Betriebsübernahmen genutzt werden.

Bezahlen beim Unternehmenskauf

Einmalzahlung

Wenn Sie als Käufer die gesamte Summe auf einmal bezahlen, ist Ihr Kapitalbedarf entsprechend hoch. Allerdings können Sie die geforderte Summe möglicherweise mit günstigen öffentlichen Existenzgründungsdarlehen finanzieren. Als Verkäufer können Sie die Summe in ein neues Vorhaben investieren oder für Ihre Altersvorsorge nutzen. Berücksichtigen Sie bei der Ermittlung Ihres Finanzierungsbedarfs auf alle Fälle, dass  trotz Zinszahlung und Kredittilgung die Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens  gesichert bleibt.

Wiederkehrende Zahlungen

Wiederkehrende Zahlungen können Rente, Ratenzahlung oder dauernde Last sein. Der Kauf gegen wiederkehrende Leistungen schont Ihre Liquidität, da Sie weniger Geld auf einmal benötigen und vielleicht auch kein Fremdkapital in Anspruch nehmen müssen. Für den Verkäufer gibt es Risiken (z.B. könnte der Nachfolger insolvent werden und nicht weiter bezahlen können). Welche Variante für Sie als Verkäufer oder Nachfolger die günstigste ist, hängt vor allem von den jeweiligen steuerlichen Auswirkungen ab:

  • Rente
    Bei der Rente handelt  es sich meist um eine Leibrente. Die Leibrente wird bis zum Tod des Nutznießers gezahlt.
  • Ratenzahlung
    Der Kaufpreis kann auch per Ratenzahlung entrichtet werden, um dem Erwerber die Finanzierung zu erleichtern.
  • Dauernde Last
    Hier geht es um eine Art von Ratenzahlung über mindestens zehn Jahre. Die Zahlungen kommen zwar regelmäßig, müssen aber nicht immer gleich hoch ausfallen (z.B. dann, wenn sie sich nach dem Unternehmensgewinn richten).

Bankgespräch

Ob Sie von Ihrer Bank einen Kredit bekommen, hängt sehr davon ab, wie Sie Ihrer Bank gegenüber auftreten und die Kreditverhandlungen führen. Wichtig ist: Gehen Sie nicht unvorbereitet zur Bank. Je besser Sie vorbereitet sind, desto größer sind Ihre Chancen, das zu bekommen, was Sie erreichen wollen. Zur guten Vorbereitung gehören ein ausgereiftes Konzept, die Investitions- und Rentabilitäts- sowie die Absatzplanung.  Darauf sollten Sie außerdem achten:

  • Rentabilität darlegen
  • Berater mitnehmen
  • Rollenverteilung (z.B. mit Berater) klären
  • Sicher auftreten
  • Probleme und Lösungen darlegen
  • Öffentliche Fördermittel verlangen
  • Förderprogramme kennen
  • Kontakt halten
  • Unterlagen vorbereiten und mitnehmen

Finanzierungsplan

Eine ausreichende Finanzierung ist die Basis für einen erfolgreichen Unternehmensstart. Dazu müssen Sie zunächst ermitteln, wie viel Kapital Sie für den Unternehmensstart und die erste Anlaufphase benötigen und welche Kosten Sie verkraften können. Lassen Sie sich dabei beraten. Planen Sie Ihren Kapitalbedarf weitsichtig. Kosten fallen in folgenden Bereichen an:

  • langfristige Investitionen (Grundstück, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge etc.)
  • Vorfinanzierung (Material- und Warenlager etc.) und laufende Kosten (Miete, Personalkosten, Versicherungen, Kreditkosten etc.)
  • Gründungskosten (Steuerberater, Rechtsanwalt, Notar, Patente und Lizenzen etc.)
  • Privatentnahmen (eigener Lebensunterhalt, Versicherungen, Steuern etc.)

Rentabilität

Wenn Sie sich mit Ihrer Geschäftsidee selbstständig machen wollen, sollten Sie genau ausrechnen, ob sich Ihr Vorhaben auch tatsächlich lohnt (= rentabel ist). Das heißt: Sie müssen vorausberechnen, ob der Umsatz Ihres Unternehmens so hoch ist, dass Sie damit alle betrieblichen Kosten decken und darüber hinaus einen Gewinn erzielen können, von dem Sie und Ihre Familie leben können. Prüfen Sie:

  • Wie hoch sind Ihre laufenden privaten Kosten (Miete, Lebensmittel, Versicherungen etc.)?
  • Wie hoch sind Ihre Investitionen zum Start (Immobilien, Fahrzeuge, Maschinen, Material etc.)?
  • Wie hoch sind Ihre laufenden betrieblichen Kosten (Miete, Personal, Strom etc.)
  • Wie viel Geld möchten Sie verdienen?
  • Wie viel Geld wird Ihr Unternehmen voraussichtlich erwirtschaften?
  • Können Sie damit sowohl Ihre privaten als auch Ihre betrieblichen Kosten decken?
  • Wie hoch muss Ihr Umsatz sein, um nicht nur die Kosten zu decken, sondern auch einen Gewinn zu machen?
  • Wie hoch muss Ihr Umsatz sein, um auch finanzielle Reserven zu schaffen?

Umsatzberechnung

Um Ihren voraussichtlichen Umsatz zu ermitteln, sollte Sie (möglichst viele) verschiedene Datenquellen über durchschnittliche Umsatzzahlen und Branchenentwicklungen „anzapfen":

  • Zuständige Branchen- bzw. Berufsverbände
  • Unternehmensberater, die auf Ihre Branche spezialisiert sind
  • Kammern
  • Brancheninformationen von Banken und Sparkassen
  • Vergleichbare Unternehmen
  • Angebotspreise zukünftiger Lieferanten
  • Nachfragepreise potenzieller Kunden (eigene Umfragen durchführen)

Steuern

Je nach Art der Unternehmensübertragung und der Rechtsform des Unternehmens müssen Nachfolger und Übergeber mit unterschiedlichen Steuern rechnen.

Schenkung- bzw. Erbschaft

Bei einer Schenkung oder Erbschaft kommen auf Sie als Nachfolger zwar Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer zu. Auf der anderen Seite können Sie aber auch Freibeträge für die Übertragung von Betriebsvermögen sowie persönliche Freibeträge nutzen, die die Steuerlast reduzieren.

Abfindungen

Abfindungszahlungen an Mit-Erben werden steuerlich wie ein Kauf behandelt. Sie können diese als Nachfolger also als Anschaffungskosten steuerlich geltend machen. Als Empfänger müssen Sie solche Abfindungszahlungen als Einkommen versteuern.

Verkauf

Beim Verkauf des Unternehmens müssen Sie Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn abführen. Auch hier können Sie eventuell Freibeträge in Anspruch nehmen.

Kauf

Beim Kauf von Grundstücken oder Immobilien müssen Sie Grunderwerbsteuer bezahlen.

Rente

Wenn Sie als Alt-Inhaber eine monatliche Rente vom Unternehmensnachfolger erhalten, müssen Sie diese bei der Einkommensteuererklärung angeben. Als Nachfolger können Sie diese Rentenzahlung als Betriebsausgabe von Ihrem zu versteuernden Gewinn abziehen. 

Ratenzahlung

Wenn Ihnen als Alt-Inhaber Ihr Nachfolger den Kaufpreis für Ihr Unternehmen in Raten „abstottert", müssen Sie diese bei der Einkommensteuererklärung angeben. Als Nachfolger können Sie diese Ratenzahlung als Betriebsausgabe von Ihrem zu versteuernden Gewinn abziehen. 

Dauernde Last

Erhalten Sie als Alt-Inhaber von Ihrem Nachfolger eine regelmäßige Zahlung in unterschiedlicher Höhe (dauernde Last), müssen Sie diese bei der Einkommensteuererklärung angeben. Als Nachfolger können Sie diese Zahlungen als Betriebsausgabe von Ihrem zu versteuernden Gewinn abziehen.

Ziehen Sie in jedem Fall immer einen Steuerberater hinzu.

Letzte Aktualisierung: 30.09.2015

Kontakt

Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg

Heinrich-Mann-Allee 107
14473 Potsdam

E-Mail: Gründungsnetz